Sein Name ist zwar Sócrates, doch der Mann ist mit seiner Philosophie am Ende: José Sócrates, portugiesischer Ministerpräsident, verlor am 17. März 2011 eine Abstimmung im Parlament über weitere Sparmassnahmen und trat darauf hin von seinem Amt zurück (Die Zeit).
Die Sparmassnahmen wären für Portugal dringend notwendig gewesen: Das Land ist hoch verschuldet und muss am Kapitalmarkt immer höhere Zinsen für seine Staatsanleihen bezahlen, inzwischen sind es über 8% (siehe Graphik). Die Kreditwürdigkeit des Staates wird von Ratingagenturen stetig herabgesetzt (Welt online).[1] Deshalb wird es – wie der Economist betont – immer wahrscheinlicher, dass sich das Land in Kürze nicht mehr selbst refinanzieren kann und wie zuvor schon Irland und Griechenland unter den Rettungsschirm der EU flüchten muss.[2]
Das portugiesische Volk möchte das Schuldenproblem lieber selbst bewältigen, wie der eindrückliche Videobeitrag der FAZ zeigt. Doch Portugal ist eines der ärmsten EU-Länder und kämpft seit Jahrzehnten mit grossen strukturellen Problemen. In seiner bewegten Wirtschaftsgeschichte stand es schon zweimal am Rande eines Staatbankrotts: 1978/79 und 1983-1985 waren massive Interventionen des Internationalen Währungsfonds nötig, Portugal wurde quasi zwangsverwaltet.
Wie es in Portugal zur jüngsten Schuldenkrise kam, und Antworten auf weitere Fragen liefert eine illustrierte Darstellung im Handelsblatt.
Für das iconomix-Team
Martina Zahno
[1] Ratingagenturen sind Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen und Staaten bewerten.
[2] Damit gefährdet Portugal den EU-Fahrplan für Reformen in der Schuldenkrise, welche nun schon fast ein Jahr andauert. Eine graphische Aufarbeitung der Schuldenkrise und der ergriffenen Massnahmen finden Sie im Tagesschaubeitrag vom 24.03.2011.


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