Wasser ist eine erneuerbare Ressource und vollzieht einen natürlichen Kreislauf: Es fällt in Form von Regen oder Schnee auf die Erde, sammelt sich in fliessenden Gewässern, in Grundwasser und Meeren an und verdunstet von dort wieder in der Atmosphäre. Zwischenzeitlich wird es in Böden und Pflanzenwelt gespeichert und von Menschen als Trinkwasser, im Haushalt, in der Industrie und Landwirtschaft genutzt.
Trotzdem ist das Angebot an Wasser räumlich und zeitlich begrenzt. Wasser kann nicht in beliebigen Mengen verbraucht werden, denn es ist ungleich im Raum verteilt und teuer zu transportieren. Weiter muss Wasser frisch und sauber sein, um als Trinkwasser oder auch zur Bewässerung von Feldern verwendet zu werden. Und schliesslich braucht es Zeit, bis sich Wasservorräte ansammeln und wieder auffüllen können – Zeit, die man der Natur heute vielerorts nicht gibt.
So wird zum Beispiel in Teilen von Indien, Libyen oder Mexiko Grundwasser in solchen Mengen aus dem Boden gepumpt, dass sich die Grundwasserpegel bereits bedrohlich tief absenken und es immer aufwändiger wird, frisches Wasser aus der Tiefe zu fördern. Auch der zentralasiatische Aralsee ist mittlerweile fast vollständig ausgetrocknet, weil seine Zuflüsse seit den sechziger Jahren für die Bewässerung von Feldern umgeleitet werden.
Währenddessen steigt die Nachfrage nach Wasser laufend. Grund dafür ist einerseits, dass sich die Bevölkerung der Erde in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt hat. Einen steigenden Wasserverbrauch verursacht andererseits auch die Industrie, in der Wasser beispielsweise zur Herstellung von erdölbasierten Produkten verwendet wird. Der stärkste Einfluss geht jedoch von der Landwirtschaft aus, die weltweit für rund 70 Prozent, in Ländern wie Indien sogar für 90 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich ist.[1]
Die Intensivierung der Landwirtschaft bewirkt dabei, dass immer mehr Flächen bebaut und unter Einsatz von Grund-, Fluss oder Seewasser künstlich bewässert werden. Gleichzeitig hat der Geschmack der Konsumenten zur Folge, dass diese Flächen zunehmend für die Produktion von «wasserintensiven» Nahrungsmitteln verwendet werden. Zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch braucht es zum Beispiel fast viermal mehr Wasser als für diejenige von einem Kilo Poulet, und für ein Glas Orangensaft wird fast fünfmal mehr Wasser benötigt als für eine Tasse Tee.
Die Wasserpreise variieren derweil je nach Ort, Umstand und Verwendungszweck des Wassers. In der Schweiz kosten 1‘000 Liter Trinkwasser durchschnittlich 1.60 Franken. In den Vereinigten Staaten beträgt dieser Preis nur rund 80 Rappen, in den Slums von Guatemala dagegen über 3.50 Franken. Nimmt der Wasserverbrauch weiter zu, so dürfte der Preis des Wassers in Zukunft an vielen Orten deutlich ansteigen. Dass sauberes Wasser eine wertvolle Ressource darstellt, wird dann hoffentlich auch nicht-Ökologen klar.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 12. September 2010.
Interessant ist auch die vom Hilfswerk Helvetas eingerichtete Wanderausstellung rund ums Thema Wasser, sowie das dazu gehörende Online-Quiz.
[1] Dies berichtet der Economist im Dossier «For want of a drink», das in der Ausgabe vom 22. Mai 2010 erschienenen ist.



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