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Südkorea: Das Wunder am Han-Fluss

Mit dem Ende des Koreakrieges im Jahr 1953 wurde die koreanische Halbinsel in zwei Staaten aufgeteilt. Nordkoreas Entwicklung wird seither durch eine kommunistische Diktatur bestimmt, die das Land in wirtschaftlicher Autarkie hält. Südkorea dagegen begab sich auf einen wirtschaftlichen Öffnungskurs und liess den Import und Export von Waren und Dienstleistungen zu.

Aus ökonomischer Sicht war dies eine weise Entscheidung. Öffnet ein Land seine Grenzen für den Handel, so nimmt es am Wohlstand der übrigen Welt teil. Mehrere Gründe sind dafür verantwortlich:

(1) Durch den Handel kann ein Land seine «komparativen Vorteile» ausschöpfen und sich auf die Herstellung jener Produkte spezialisieren, für die es – im Verhältnis zu den Bedingungen im Ausland – die besten Voraussetzungen hat. So kann es dem Ausland seine eigenen Produkte vergleichsweise günstig verkaufen und im Gegenzug diejenigen Produkte importieren, die das Ausland günstig herstellen kann.[1]

(2) Haben Unternehmen einen grösseren Absatzmarkt, so können sie grössere Mengen ihrer Produkte gewinnbringend verkaufen bzw. den Preis für ihre Produkte tiefer ansetzen – die Unternehmen profitieren von sogenannten «Skaleneffekten».

(3) Wirtschaftliche Öffnung erzeugt langfristig ein höheres Wirtschaftswachstum: Mit der Teilnahme am Welthandel importiert ein Land automatisch den technologischen Fortschritt anderer Länder. Unternehmen erhalten so laufend Zugang zu den neuesten und günstigsten ausländischen Produkten, und können ihrerseits eine höhere Wirtschaftsleistung erbringen.

(4) Auch der internationale Wettbewerb übt eine dynamisierende Wirkung auf die Wirtschaft aus: Sehen sich Unternehmen ausländischer Konkurrenz gegenübergestellt, so ist dies ein Anreiz, selbst die technologischen Weiterentwicklung voranzutreiben und so effizient wie möglich zu produzieren. In dieser Hinsicht können gerade kleine Volkswirtschaften (wie Südkorea oder auch die Schweiz) besonders profitieren.

Das Rezept, welches die südkoreanische Regierung ihrer Wirtschaft in den 1960er Jahren verschrieb, lautete «exports first». Zur Förderung des Handels erhielten strategisch wichtige Firmen in der verarbeitenden Industrie, in der chemischen Industrie und später in der Elektronik gezielte Unterstützung: je mehr Exporte die Firmen vorweisen konnten, desto eher erhielten sie Zugang zu günstigen Darlehen, Import- und Steuererleichterungen.[2]

Die Strategie stellte sich als erfolgreich heraus: Zwischen 1962 und 1989 erhöhte sich das Exportvolumen im Vergleich zum BIP von 2,3 Prozent auf 27,8 Prozent; Südkoreas BIP pro Kopf wuchs in dieser Zeit jährlich um 7,1 Prozent. Man sprach vom «Wirtschaftswunder am Han-Fluss».

Ende der 1980er Jahre wurde die gezielte Förderung einzelner Branchen ausgeweitet auf eine generelle Handelsliberalisierung. Importzölle wurden systematisch abgebaut und der heimische Markt wurde für ausländische Produkte geöffnet. Den Südkoreanischen Unternehmen hat dies nicht geschadet: Südkorea wurde 2009 als innovativstes Land der Welt ausgezeichnet.

Südkoreas Wirtschaft ist heute bekannt für ihre grossen Firmenkonglomerate wie Samsung, LG und Hyundai-Kia. Von Schiffen über Autos bis zu Fernsehern und Handys stellt Südkorea heute jedes erdenkliche Industrieprodukt her – und steht damit in grossem Kontrast zum Nachbarn Nordkorea, das politisch und wirtschaftlich isoliert ist und international höchstens durch Waffenschmuggel und Atomtests Aufsehen erregt.

Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beiden Koreas lassen sich sogar vom Weltall aus erkennen: Die Umrisse von Südkorea sind nachts durch die Lichter seiner Städte gut erkennbar – wohingegen Nordkorea auf der Satellitenaufnahme ein dunkler Fleck bleibt.Für das iconomix-Team
Simon Schmid

[1] Wie komparative Vorteile funktionieren, lässt sich im iconomix-Modul «Arbeitsteilung und Handel» spielerisch erfahren.

[2] Charles Harvie und Hyun-Hoon Lee (2003): «Export Led Industrialisation and Growth – Korea’s Economic Miracle 1962-89»

 

Thema: Entwicklung, Wachstum, Umwelthttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/10-entwicklung-wachstum-umwelt/, Markt und Handelhttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/51-markt-und-handel/
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