Stabil, weltoffen und erfolgreich: Lange Zeit galt die Elfenbeinküste als Westafrikas Musterwirtschaft. Zwar regierte Präsident Félix Houphouët-Boigny autokratisch und duldete keinerlei Opposition – doch die Skyline von Abidjan und der Blick über die umliegende Plantagenlandschaft liessen Demokratiedefizite in Vergessenheit geraten. Zwischen 1960 und 1980 erzielte die Elfenbeinküste eine der höchsten Wachstumsraten weltweit.[1]
Eine wichtige Rolle kam dabei ausländischen Direktinvestitionen zu: Unternehmen wurden ermutigt, in der Elfenbeinküste eine Tochtergesellschaft zu gründen, eine Zweigstelle zu eröffnen oder sich in einem Joint-Venture zu engagieren. Ausländisches Kapital und Know-How leistete so einen Beitrag zur Modernisierung von Landwirtschaft und Industrie.
In der Literatur werden Direktinvestitionen als Transfermechanismus für technologisches und organisatorisches Wissen beschrieben. «Spillover-Effekte» bewirken dabei, dass auch einheimische Unternehmen – seien sie Konkurrenten, Zuliefer- oder Verarbeitungsbetriebe – vom Wissen des ausländischen Investors profitieren.[2]
In der Praxis haben Entwicklungsländer allerdings unterschiedlich stark von Direktinvestitionen profitiert. Direktinvestitionen flossen oft in Branchen wie den Bergbau, wo sie wenig zum technischen Fortschritt beigetragen haben. Häufig fehlte es auch an Infrastruktur und Bildungsstand, die für technologische Spillovers auf heimische Betriebe und Arbeitskräfte nötig gewesen wären.[3]
In den 1980er Jahren lernte die Elfenbeinküste die Schattenseiten ausländischer Investitionen kennen: Als die Weltmarktpreise für Kakao und Kaffee zusammenbrachen, zogen sich ausländische Firmen aus dem Land zurück, Know-How und Arbeitsplätze gingen verloren. Das jährliche Investitionsvolumen verringerte sich von 1980 bis 1984 von 94,7 Mio. auf 21,7 Mio. US-Dollar.
Seit den 1990er Jahren wird in der Elfenbeinküste wieder mehr aus dem Ausland investiert, auch in zukunftsweisenden Branchen wie die Telekommunikation. Unter den zehn grössten ausländischen Gesellschaften finden sich Unternehmen wie Côte d’Ivoire Telecom (gehört zu 51% France Télécom) oder Orange Côte d’Ivoire (in Besitz des Orange-Konzerns).
Und sie erzeugen Spillover-Effekte: Wie in ganz Afrika finden sich in den Strassen von Abidjan heute unzählige Marktstände, an denen Passanten telefonieren oder ihr Handyguthaben aufladen können. Weil nur wenige Haushalte an ein Kabelnetz angeschlossen sind, ist die Nachfrage nach mobilen Telefondienstleistungen enorm – sogar Finanztransaktionen werden zuweilen über Handys erledigt.[4]
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
[1] Martin Meredith (2005): «The Fate of Africa»
[2] Thomas A. Zimmermann (2008): «Direktinvestitionen – aktuelle Entwicklungen in Theorie, Praxis und Politik»
[3] UNCTAD (2004): «Country Profile: Côte d‘Ivoire»
[4] Siehe auch den Blogbeitrag «Mobiltelefone gegen Armut» vom 11.11.2009




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