Wenn Staaten flüssige Mittel brauchen, dann emittieren sie auf dem Kapitalmarkt eine Anleihe. Sie erhalten so von interessierten Anlegern Kredit und bezahlen dafür einen fixen, jährlichen Zins. Anleihen werden an der Börse gekauft und verkauft; ihr Kurs wiederspiegelt dabei die Finanzlage eines Schuldners.
Griechenlands Finanzlage spitzte sich in den letzten Wochen deutlich zu. Hier ein knapper Abriss der jüngsten Ereignisse:
Mittwoch, 21. April. Griechenland hat massive Haushaltsprobleme. Dies weiss man seit Ende 2009, Verhandlungen mit EU und IWF über allfällige Notfall-Rettungsmassnahmen wurden in Zwischenzeit aufgenommen. Doch die Unsicherheit auf den Märkten ist gross, Zahlungsausfälle auf griechischen Staatsanleihen werden befürchtet. Anleger bekommen zunehmend kalte Füsse, die Kurse griechischer Staatsanleihen sinken laufend. Wer nun griechische Staatsanleihen kauft, hat zwar eine hohe Rendite, trägt aber auch ein grosses Risiko.
Donnerstag, 22. April. Das EU-Statistikamt gibt eine aktualisierte Defizitberechnung bekannt: Das griechische Staatsdefizit betrug 2009 nicht 12,7 sondern 13,6 Prozent des BIP. Griechenlands zukünftige Schuldenlast wird damit noch erdrückender. An der Börse tauchen die Kurse griechischer Staatsanleihen abermals; die Investoren bevorzugen andere Anlagen, zum Beispiel deutsche Staatsanleihen. Der «Spread» (=Risikoaufschlag) zwischen der Rendite von griechischen und deutschen Staatsanleihen beträgt nun beinahe 6 Prozent (siehe Abbildung):
Freitag, 23. April. Athen bittet um die Aktivierung des mit EU und IWF vereinbarten Hilfsmechanismus. Am 19. Mai wird eine grössere Tranche von Schulden zur Rückzahlung fällig – angesichts der gegenwärtigen Finanzlage müsste Griechenland nun Staatsanleihen mit enorm hohen Zinsen (oder zu sehr tiefen Kursen) ausgeben, um seine Schulden zu erneuern. Damit würde die Sanierung des Staatshaushaltes zunehmend zur unlösbaren Aufgabe. EU und IWF sollen nun mit günstigeren Krediten aushelfen.
Montag, 26. April. Übers Wochenende ist die Unsicherheit grösser geworden. Griechenland scheint angezählt: Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen steigen auf über 9 Prozent (siehe Abbildung oben). Für zweijährige Anleihen beträgt die Rendite sogar 13 Prozent, weil sich hier allfällige Zahlungsabschläge höher auswirken würden.
Dienstag, 27. April. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s zieht nach und senkt die Bonität von Griechenland auf die Kategorie «BB+». Griechenlands Anleihen sind somit quasi-offiziell «spekulative Anlagen». Anleihen mit diesem Rating weisen ein Zahlungsausfallrisiko von knapp 20 Prozent innerhalb von 10 Jahren aus.[1]
Mittwoch, 28. April. Noch ist die Zusage von EU und IMF nicht erfolgt. Doch es scheint allen klar, dass die Aushilfskredite unumgänglich sind. Diskutiert wird nun vor allem über die Höhe der Kreditsumme. Schätzungen gehen von einem Finanzbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro aus. Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen erreichen nun mit 10 Prozent ihren Höchststand – vorläufig.
Fortsetzung folgt.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 2. Mai 2010.
[1] Standard & Poor‘s



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