Dieser Beitrag ist keine Hommage an die Kinderüberraschung, sondern beschäftigt sich mit der Anziehungskraft und dem Unterhaltungswert von Sportwettkämpfen. Haben Sie sich auch schon gefragt, weshalb manche Menschen mitten in der Nacht aufstehen, um z.B. ein Tennisspiel von Roger Federer live mitzuverfolgen? Im Folgenden ein Erklärungsansatz.
Die Sportökonomie nennt drei Hauptkomponenten, welche die Höhe des Konsums eines Sportwettkampfes beeinflussen:[1] Die Ungewissheit über den Ausgang der Konkurrenz, die Qualität – also das sportliche Niveau – des Wettkampfes sowie die Hoffnung auf den Erfolg eines spezifischen Wettkämpfers.
Die Bedeutung der Ungewissheit über den Ausgang eines Wettkampfes zeigt sich darin, dass kaum jemand ein Ereignis in voller Länge sehen will, wenn das Resultat bereits bekannt ist. Der grösste Teil der Nachfrage reduziert sich auf die Wiederholung der Höhepunkte. Dabei tritt die Qualität des Wettkampfes naturgemäss in den Vordergrund tritt.
Die meisten Zuschauer wollen zudem einen ausgeglichenen, spannenden Wettkampf sehen, dessen Sieger nicht bereits absehbar ist. Dem von der Allgemeinheit oft erwähnten Desinteresse an einem Anlass, «weil xy ja sowieso gewinnt/verliert», soll die Grundlage entzogen werden. Am stärksten ist der Effekt bei Meisterschaften, die über den Verlauf eines Jahres ausgetragenen werden. So wirkt sich in Serienmeister besonders negativ auf die Zuschauerzahlen aus.
Lockt die Erwartung einer einseitigen Angelegenheit also stets weniger Zuschauer an als ein ausgeglichener Wettkampf? Eine Studie widerlegt diese These:[2] Die Präferenzen der Zuschauer verlaufen nicht monoton, das heisst ab einem gewissen Punkt nimmt die Nachfrage eines Anlasses mit zunehmender Ausgeglichenheit nicht zu, sondern ab. Konkret heisst das: Die Zuschauer ziehen ein sehr unausgeglichenes Duell einem mässig ausgeglichenen vor, was man als «David gegen Goliath»-Phänomen bezeichnen könnte. Die Unantastbarkeit des Favoriten wird auf die Probe gestellt. Man hofft dann auf die Sensation eines Aussenseiter-Sieges.
Warum stehen manche Menschen also mitten in der Nacht auf, um ein Spiel von Roger Federer mitzuverfolgen? Die meisten wohl, weil sie tolles Tennis und den Sieg ihres Idols in Echtzeit geniessen wollen. Handelt es sich um eine «Pflichtaufgabe» in der Startphase eines Turniers, hoffen einzelne womöglich auch darauf, die Sensation einer Niederlage des übermächtigen Superstars mitzuerleben.
Für das iconomix-Team
Marcel Stadelmann
Vergleiche dazu die iconomix-Fragen in Politics-Economics vom 1. November 2009.
[1] S. Szymanski, 2003. The Assessment: The Economics of Sport. Oxford Review of Economic Policy, Vol. 19, No. 4.
[2] J. Borland & R. Macdonald, 2003. Demand for Sport. Oxford Review of Economic Policy, Vol. 19, No. 4.


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