Gehen Sie auf YouTube und sehen Sie sich den letzten Penalty des dramatischen Champions League Final 2008 an. Achten Sie dabei bitte genau auf Edwin Van der Sar, den Torwart von Manchester United. Er deutet mit seinem linken Zeigefinger mehrmals in die vom Schützen aus gesehen rechte Torecke. Dann läuft Anelka an, schiesst in die linke Torecke und Van der Sar pariert, nachdem er diese Ecke bereits antizipierte.
Was war passiert? Beim Penaltyschiessen dürfen zunächst abwechselnd von jeder Mannschaft fünf Spieler antreten. Gewinner ist dabei die Mannschaft, die bei diesen fünf Versuchen am meisten Penalty-Tore geschossen hat. Haben beide Mannschaften gleich oft getroffen, geht auch das Penalty-Schiessen in die «Verlängerung». Dabei wird im Wechsel so lange jeweils ein weiterer Penalty geschossen, bis ein Sieger feststeht.
Unter folgendem Link kann man den Ablauf des gesamten Penalty-Schiessens sehen. Chelsea und Manchester hatten von ihren ersten fünf Versuchen jeweils vier Mal getroffen (Christiano Ronaldo und John Terry hatten verschossen). In der «Verlängerung» des Penalty-Schiessens trafen dann zunächst Anderson (Manchester) und Kalou (Chelsea). Anschliessend verwandelte Giggs seinen Penalty für Manchester. Der nächste Schütze für Chelsea war Anelka. Er musste treffen um auszugleichen, anderenfalls gewinnt Manchester.
Warum zeigte Van der Sar in die vom Schützen aus gesehen rechte Ecke? Alle bisherigen sechs Schützen von Chelsea hatten in diese Ecke gezielt und bis auf Terry, der bei seinem Versuch auf dem nassen Rasen abrutschte und nur den Aussenpfosten traf, waren auch alle erfolgreich. Van der Sar versuchte also, Anelka zu signalisieren, dass er (Van der Sar) wisse wohin Anelka schiessen werde. Hierdurch wollte Van der Sar Anelka beeinflussen.
Das Penalty-Schiessen entspricht nämlich in geradezu idealtypischer Weise einer spieltheoretischen Situation, bei der zwei Akteure (Torwart und Schütze) simultan ihre Aktion wählen. Vereinfacht gesagt, kann sich der Torwart ins linke oder rechte Eck werfen oder stehen bleiben. Entsprechend kann der Schütze nach links, rechts oder in die Tormitte zielen. Der Erfolg hängt dabei nicht allein von der eignen Aktion ab, sondern auch davon, was der Gegenspieler macht.
Anelka wusste also, dass es gefährlich war, ins rechte Eck zu zielen, wenn sich Van der Sar in dieses Eck werfen würde. Aber Anelka hätte noch mehr wissen sollen. Er hätte auch wissen sollen, dass Van der Sar wusste, dass Anelka wusste, dass es gefährlich war, ins rechte Eck zu zielen, wenn sich Van der Sar in dieses Eck werfen würde…


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